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Fröbeltagung 19. Oktober 2013


Zur Evaluation der Fröbeltagung (hier klicken)

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Die Fröbeltagung 2013

Der Fröbeltagung 2013 folgt in einigen Monaten eine Pubilkation mit dem Titel "Kindheit, Kinderspiel und Kinderschutz. Beiträge zur Theorie, Geschichte und Gegenwart öffentlicher Kleinkindererziehung". Weitere Informationen hierzu finden Sie an dieser Stelle in einigen Wochen. Bei Interesse an dieser Veröffentlichung melden Sie sich bitte via: Wir halten Sie gern auf dem Laufenden.

Im Folgenden wird die Fröbeltagung 2013 dokumentiert, an der am 19.10.2013 insgesamt ca. 100 Personen inkl. ReferentInnen teilnahmen.

In einer angenehmen Atmosphäre begann die Fröbeltagung nach einem Grußwort des Vorsitzenden der International Froebel Society, Prof. Karl Neumann, mit einem Vortrag von Prof. Michael Winkler, der die zentralen Themen der Tagung - Kinderspiel und Kinderschutz - in einer Einführung sondierte und systematisierte.

Dieser Einführung schloss sich nach einer kurzen Pause der Vortrag von Dr. Ulf Sauerbrey mit dem Titel: "Briefe von Kindergärtnerinnen an Fröbel. Über die frühen historischen Umstände der öffentlichen Kleinkindererziehung", an. Der Referent präsentierte eine Auswahl bisher unveröffentlichter Briefe von und an Fröbel, die die frühe Geschichte einzelner Kindergärten und die Spielpädagogik des Thüringers beleuchteten. Fröbel, aber auch die von ihm ausgebildeten Kindergärtnerinnen können auf Basis dieser Quellen als zentrale Akteure in Bezug auf die Konzeption und Verbreitung der öffentlichen Kleinkindererziehung im 19. Jahrhundert für alle Kinder - unabhängig ihrer sozialen Herkunft - gelten. Es wird anhand der historischen Dokumente besonders die Vernetzung von Kleinkindbewahranstalten, Kleinkinderschulen und Kindergärten besonders deutlich. Die Mitte des 19. Jahrhunderts markiert den Beginn des eigenständigen und professionellen Berufs der Erzieherin, in dessen Kontext sowohl das Kinderspiel, als auch der Kinderschutz als Elemente der öffentlichen Kleinkindererziehung relevant waren.

Folgende Workshops fanden am frühen Nachmittag parallel statt:

Friedrich Fröbels Spielgaben als didaktisches Material

Heidrun Lachnit

Die Referentin gab in diesem Workshop zunächst eine inhaltliche Einführung mit  Erläuterungen zu den verschiedenen Spielmitteln Fröbels. Dabei arbeitete sie die Bedeutung der Spielgaben in der heutigen Zeit heraus und veranschaulichte, wo das Gedankengut Fröbels im Kindergartenalltag überall zu finden sei. Auch der Bogen zum Thema Kinderschutz wurde gespannt. Im offenen Gespräch mit den Teilnehmern wurden praktische Erfahrungen ausgetauscht, regionale Besonderheiten besprochen, sowie Anregungen für das Heranführen der Kinder an die Spielmittel gegeben. In der Diskussion kamen die Frage über den Nutzen der Spielgaben für Senioren und der Wunsch nach einem größeren Bewusstsein für die Chancen durch die Fröbel'schen Spiele auf. Zudem konnten sich in einem abschließenden praktischen Teil alle Teilnehmer unter Anleitung der Referentin im Falten eines Kaleidozyklus ausprobieren.

Kinderschutz und Beziehungsarbeit in der öffentlichen Kleinkindererziehung

Martin Breibert

Der Referent arbeitet in dem Kinderschutz-Zentrum Berlin und stellte zunächst den Verein und dessen Arbeitsweise vor. In die Kriseneinrichtung kommen Kinder, deren Schutz nicht gewährleistet ist und für die sich herausstellen muss, ob sie wieder in ihre Familie zurückkommen dürfen oder fremduntergebracht werden müssen. Er sieht intensive Beziehungsarbeit und wohlwollende Grenzsetzung als zentral in seiner Arbeit an, da die Kinder durch eine gute Beziehung zum Betreuer gesunden können.
Mit Hilfe einer kurzen Sequenz aus dem Kinderfilm "Spirit" erläuterte er in Interaktion mit den Teilnehmern, wie wichtig es ist, dass das Angebot zur Beziehung vom Betreuer kommt, dieser aber warten muss, ob das Kind sich auf diese auch einlässt. In verschiedenen Übungen, die die Teilnehmer in Zweierteams durchführten, wurde die Thematik der Nähe und Distanz und der Ich- und Du-Bezogenheit aufgegriffen und anschließend reflektiert. Der Workshop, der bei den Teilnehmern mit viel Interesse angenommen wurde, endete mit einer Fragerunde, in der auch persönliche Fragen aus dem Arbeitsleben der TeilnehmerInnen Raum fanden.

Der Kindergarten als Vorschule - Perspektiven einer Fröbelschule

Robert Nauer, Sandra Pehle, Silke Brehm

Eröffnet wurde dieser Workshop von Robert Nauer, einem Mitarbeiter vom Jugendsozialwerk Nordhausen e.V. Er stellte sich selbst und seine drei Kolleginnen vom Kindergarten "Sonnenblume" und der freien integrativen Gemeinschaftsschule "Friedrich W. A. Fröbel" aus Keilhau vor. Ausgehend von einem von Schülern erstellten Film über diese Schule erläuterten die ReferentInnen die Unterrichtsorganisation. Im Mittelpunkt der 2. Phase des Workshops stand die These "Keine Bildung ohne Bindung". Es wurden sowohl Möglichkeiten der Förderung des Gemeinschaftsprinzips unter den Schülern, als auch die Zusammenarbeit zwischen Kindergarten, Schule und Eltern diskutiert. In einem abschließenden Meinungs- und Erfahrungsaustausch kamen alle Beteiligten zu dem Ergebnis, dass es eine vernünftige Perspektive für Kinder wäre, wenn alle Institutionen zur Erziehung in Bezug auf diese intensiver zusammenarbeiten und dem Fröbel'schen Einheitsgedanken folgen würden.

Wenn Kinder spielen - pädagogische Einsichten

Ulf Sauerbrey

In einer ersten Inputphase wurde zunächst der systematische Blick darauf gerichtet, was eigentlich passiert und was es bedeutet, wenn Kinder spielen. Auch die Frage, warum Kinder überhaupt spielen, kam auf. Diesen und ähnlichen Fragen wurde daraufhin mit Blick auf die Geschichte des Kinderspiels nachgegangen. Im Anschluss gelangte der Referent ausgehend von Friedrich Fröbels spielpädagogischen Ideen zu ersten tieferen Einsichten in das Phänomen des Spiels. Ausgehend von pädagogischen Einsichten aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis hin zu gegenwärtigen Erkenntnissen der Entwicklungspsychologie wurde ein knapper und verständlicher Überblick über die wesentliche Form der kindlichen Aneignung von Kulturgütern gegeben. Der Workshop beinhaltete zudem eine interaktive Auseinandersetzung mit Fröbels körperartigen Spielmitteln ('Spielgaben'), die im Rahmen von Gruppenarbeiten in ihrem pädagogisch-didaktischen Gehalt vorgestellt und diskutiert wurden. (Der Workshop wurde als Ersatz für den aus Krankheitsgründen ausgefallenen Workshop "Spielpraxis im Fröbelkindergarten" ins Programm der Tagung aufgenommen.)

Im Abschlussvortrag präsentierten und diskutierten Prof. Michael Winkler (Univ. Jena) und Andrea Matheis (Evangelisches Fröbelseminar Kassel) 7 Thesen zur Erörterung des 'guten Kindergartens', die an dieser Stelle noch einmal abschließend zu lesen sind:

1. Kinder sind Subjekte, immer schon erstaunlich kompetent, fühlend, denkend und wissend, wollend. Ein guter Kindergarten schützt sie in dieser Subjektivität. Er gibt dieser Subjektivität Raum, lässt die Kinder sprechen und bestimmen, verteidigt sie gegen Menschen, die ihre Subjektivität missachten.

2. Kindheit ist Selbstzweck, Kinder gehören sich - und dazu gehört, dass sie spielen.

3. Bildung bestimmt Kindheit. Doch es geht nicht um Bildung in dem heute üblich gewordenen, auf Schule verkürzten Sinn. Richtschnur und Maß von Bildung sind die Kinder selbst, als Akteure in ihrem Entwicklungs- und Lernprozess. Bildung ist dabei in einem emphatischen Sinne zu verstehen, umfassend, grundlegend und gründlich, als motorische, emotional-affektive, soziale und moralische, als kognitive, welche in Selbstaufklärung und Selbstbestimmung mündet, ohne den Zusammenhang mit ande-ren Menschen zu verlieren.

4. Kinder benötigen einen guten Kindergarten. Aber sie wachsen zuerst in ihren Fami-lien auf, die ihnen Bindungssicherheit und Autonomie geben. Keine Institution kann das. Der gute Kindergarten bietet einen zweiten Lebensort neben dem der Familie, macht Weltwissen zugänglich, erweitert die sozialen Kontakte.

5. Kindergärten sind Orte, soziale und kulturelle Zusammenhänge mit einer ganz eige-nen Bedeutung - vielleicht ist der Ausdruck Kindergarten viel besser als die jüngeren Bezeichnungen. Der Blick auf die Herkunftsfamilie, auf ihre Kultur und ihre Lebens-praxis ist zwar unerlässlich, zugleich aber dürfen Kindergärten nicht vergessen, dass sie ein Lebenszusammenhang mit ganz eigener Qualität und Dignität sind.

6. Der Kindergarten ist Institution. Als guter Kindergarten bietet sie Schutz, gibt Kon-tinuität, zeigt einen räumlichen Zusammenhang und einen Ordnungsrahmen.

7. Der Kindergarten verlangt professionelle Pädagogen. Nicht bloß Fachkräfte, son-dern professionelle Erzieherinnen und Erzieher in einem strengen Sinne des Aus-drucks, die nicht mechanisch und formalistisch, sondern selbstbewusst und selbständig agieren, mit einem Blick auf die Kinder, der diese in ihrer Subjektivität erkennt.


Autoren dieser Tagungsdokumentation: Ulf Sauerbrey, Michael Winkler, Katharina Ulandowski, Anne Hübner und Annemarie Weber